Wie bibelkundig sind Sie? - mein 17321. Tag


anchmal kommt man aus dem Staunen einfach nicht mehr heraus. Da habe ich vor kurzem eine neue Klavierschülerin bekommen, ein Mädchen von vielleicht acht Jahren; eine interessante, und, wie es scheint, recht eigenwillige Persönlichkeit. Dass sie nun ab sofort ihre Spielstücke auswendiglernen soll, gefiel ihr zunächt gar nicht. Das kann ich gut verstehen, denn es bedeutet ja für sie eine ziemliche Umstellung. Deshalb spreche ich mit ihr gelegentlich darüber, wie wichtig das Auswendiglernen für die Verknüpfung der Gehirnzellen untereinander ist — und damit natürlich auch für die Entfaltung ihrer Intelligenz.

In der letzten Stunde, als es wieder einmal um dieses Thema ging, und ich sie ermunterte, Gedichte auswendig zu lernen, da schoß es plötzlich aus ihr hervor, wie aus heiterem Himmel, mit einer aberwitzigen Geschwindigkeit:

»In des Alten Bundes Schriften
merke in der ersten Stell:
Mose, Josua und Richter,
Ruth und zwei von Samuel.
Zwei der Kön’ge, Chronik, Esra,
Nehemia Ester mit.
Hiob, Psalter, dann die Sprüche,
Prediger und Hoheslied.
 
Jesaja, Jeremia.
Hesekiel, Daniel.
Dann Hosea, Joel, Amos,
Obadja, Jonas Fehl,
 
Micha, welchem Nahum folget,
Habakuk, Zephanja.
Nebst Hagai, Sacharja
und zuletzt Malechia.
 
In dem Neuen stehn Matthäus,
Markus, Lukas und Johann.
Samt den Taten der Apostel unter allem vornean.
 
Dann die Römer, zwei Korinther,
Galater und Epheser.
Die Philipper und Kolosser,
beide Thessalonicher.
 
An Timotheus und Titus,
an Philemon, — Petrus zwei,
drei Johannes, die Hebräer,
Jakob’s, Judas Brief dabei.
 
Endlich schließt die Offenbarung
das gesamte Bibelbuch.
 
Mensch, gebrauche, was du liesest
dir zum Segen, nicht zum Fluch.«

Respekt, Respekt! Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich. Die Merkverse zur Bibel, die meine Klavierschülerin im Religionsunterricht gelernt hat, stammen von Magister Georg Ernst Göz, einem Stuttgarter Pfarrer, der sie seinen Scholaren fleißig einzuimpfen pflegte; bis heute hat sich dieser Brauch erhalten, seit über zweihundert Jahren.

Und nun zu Ihnen, liebe LeserInnen. In welchem der obig aufgezählten biblischen Bücher befindet sich der folgende Ausspruch?

»Suchet, so werdet ihr finden . . .«

Das sind Worte Jesu, und wir finden sie sowohl in der Bergpredigt (Evangelium nach Matthäus, Kp. 7, 7), als auch im Lukasevangelium, im elften Kapitel, Vers neun.

»Suchet, so werdet ihr finden.« Ist das Leben nicht voller Rätsel? Doch wer nicht fragt, erhält keine Antworten. Ist es nicht faszinierend, kleine Kinder zu erleben, mit ihrem ständigen warum, weshalb, und wieso? Gesunde Kinder sind neugierig, im positiven Sinn.

Als Erwachsene tun wir uns häufig sehr viel schwerer damit, den Dingen auf den Grund zu gehen. Wir erleben jeden Tag so viele kleine, unscheinbare Dinge, und haben keinen Zugang zu dem, was sie uns sagen wollen — weil wir die Sprache, die sie sprechen, nicht verstehen; kein Wunder, wenn uns niemand das Vokabular erklärt!

Da gibt’s im Alltag häufig kleine Störungen und Mißgeschicke, Unachtsamkeiten, die weh tun können, kleine Verletzungen am Körper, allerlei Unannehmlichkeiten in der Begegnung mit anderen . . . — aber natürlich auch viel schönes, was unser Herz erfreut; und schließlich sind all diese Erlebnisse über den ganzen Tag hinweg mit einer Menge an Gefühlen verknüpft, angenehmer genauso wie unangenehmer Art.

Alles Zufall? Ja, natürlich! Freuen Sie sich an dem, was Ihnen heute bereits zugefallen ist! Ihnen persönlich! Und jedem Menschen fällt etwas anderes zu, denn jede Seele hat ihre eigenen Aufgaben zu bewältigen; schließlich — und unserem Schöpfer sei gedankt dafür — sind wir alle individuell verschieden, jeder einzelne einmalig, ein unverwechselbares Original. Was Ihnen heute zufällt, nennt sich Ihre persönliche Tagesschule, und der Alltag unterrichtet Sie in einer klugen Weise. Doch ist’s nicht anders heut’ wie damals, als wir noch die Schulbank drückten; versäumten wir nicht manche Stunde, schlaftrunken voller Müdigkeit? Wir müssen aufwachen, bewußter durch den Alltag gehen, hellwach im Hier und Jetzt sein — wenn wir vom Unterricht der Tagesschule seelisch profitieren wollen.

Was wünscht sich denn der Mensch am liebsten? Geschenke! Hübsch verpackt, mit einem Schleifchen drumherum. So präsentiert sich uns an jedem Tag ein liebevoll gestaltetes Überraschungspaket. Öffnen wir es, so schlagen wir die Augen auf, und begegnen dem nächsten Tag mit einer veränderten seelischen Sicht! Die Tagesschule ist ein großes Geschenk an uns Menschen, denn nur mit ihrer Hilfe ist es möglich, sich im Spiegel des Erlebten selbst zu erkennen, und die geforderten Lernschritte zu erzielen. Dauerhaft glücklich sein kann nur der, dessen Seele dauerhaft lernt.

Also brauchen wir nur fleißig zu wünschen, am besten gleich nach dem Erwachen, wenn wir die Geschenke der Tagesschule annehmen wollen. „Ich möchte meine Tagesschule erkennen! Ich möchte sehen, was heute wirklich läuft!” — und schon beginnt’s zu weben und zu wirken, wie von Zauberhand. Das glauben Sie mir nicht? Wohlan! So überprüfen Sie es selbst.

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!” — ein weiser Ausspruch, der uns ermutigt, neue Wege zu probieren. Wohin sollt’ ich meine Schritte lenken? Zeige mir den Weg!

Vor einigen Tagen ging ich hinunter ins Städtchen, um einige Dinge zu erledigen, doch drückte mir ein ganzes Bündel voller ungelöster Fragen auf die Schultern. Fragezeichen, wo ich hinsah, nirgends ein Lichtlein auf dem Weg vor mir. Keine Antwort, weit und breit? Da sprang mir etwas in die Augen. Drei silbergraue Fahrzeuge, direkt vor meiner Nase. Und was entdeckte ich, als ich genauer hinzuschauen mich entschied?

Welche Freude! Dreimal PF-AD! Dreimal versilbert! Ich bin fasziniert. Was ist das für eine Symbolik, die sich hinter diesem Bild verbirgt?

Was hat es mit dem Silber wohl auf sich? Adalbert Stifter erzählt in seinen „Feldblumen” vom Heideknaben Felix. Der glaubt, wenn es ihm »tief im Innersten so fromm wurde, er sähe weit in der Öde draußen Gott selbst stehen, eine ruhige silberne Gestalt: dann wurde es ihm unendlich groß im Herzen, er wurde selig . . . und es war ihm, dass es nun gut sei, wie es sei.« Dreimal Silber? Die heilige Dreifaltigkeit? Die 3 war immer schon als Zahl mir heilig. Für mich ein schönes Bild für Gott, der immer da ist, und sich freut, wenn wir Verbindung zu ihm suchen.

Und dreimal PFAD? Der Pfad der Tugend (und der Jugend) ist bekanntlich schmal, doch er ist immer da – in dreifacher Ausfertigung, wie man dem Foto sicherlich entnehmen kann. Welche Pfade sollt’ ich wählen? Meine Pfade, die mich sicher durch das Labyrinth des Lebens geleiten mögen, heißen: Gesundheit – Freundschaft – Selbstlosigkeit. Und wenn ich diese Pfade nie verlasse, so stehe ich mit allem, was ich tue, unter Schutz.

Das ist natürlich eine vollkommen persönliche Interpretation, meine Sichtweise aufgrund der Denkanstöße, die mir die Tagesschule mit den Fahrzeugen konkret vermittelt hat.

Tagesschule erkennen macht glücklich. Warum? Weil man mehr und mehr Geborgenheit erlebt. Man fühlt sich nie wieder allein, wenn man „mit oben” in Verbindung steht, und sieht, wie wunderbar man eingewoben ist; als Teil des Ganzen, in den hohen Plan, der – von weiser Hand gelenkt – unaufhaltsam seinem großen Ziel entgegengeht.