". . . bis dass der Tod euch scheide" - so lautet der Treueschwur vor dem Traualtar. Treu sein bezieht sich für gewöhnlich auf Personen, doch sinds auch DInge, die sich lohnen: Heidelbeeren beispielsweise. Den kleinen, Dicken, Blauen werd ich ewig wohl verbunden sein: sie helfen enorm, meine Augen, die durch Bildschirmarbeit extrem beansprucht werden, zu regenerieren.
Am Samstag stehe ich beim Griechen, meinem Obst- und Gemüsehändler, und sehe die Heidelbeerschälchen. Winzig klein, so kommen sie mir vor, der Preis - ich schlucke - 3,45 € (vom letzten Einkauf hatte ich einen Preis von 1,99 € in Erinnerung)! Ich flüchte zum Markt. Den Preisen kann man doch sicherlich ein Schnippchen - Schnäppchen schlagen, oder? Auf dem Markt ist heute wenig los. Der Biobauer ist nicht da, scheint wohl in Urlaub zu sein - das sei ihm gegönnt, denn er steht sonst das ganze Jahr bei Wind, Kälte und Regen zur Verfügung. Ein Stand, den ich noch nie gesehen habe, hat Heidelbeeren. 2,80 € das Schälchen. Und eine Schale Weinbergpfirsiche dazu. Auch 2,80 €, wie ich lese. Beim Griechen gabs die für 3,95 €. Zugreifen! Bezahle 5,60 €, und gehe weiter. Schlechte Gefühle. Im Nachhinein dämmerts mir: das, was die Heidelbeeren günstiger waren, hab' ich bei den Pfirsichen draufgelegt. Es war eine 500-Gramm Schale. Ich hatte den Kilo-Preis im Kopf.
Als ich mit meiner Discounter-Einkaufsrunde fertig bin, schaue ich noch einmal beim Griechen vorbei. Die Heidelbeeren verstecke ich gut. Er schenkt mir eine vollreife Melone. Offizieller Preis: 2,95 €. Ziehe ich diesen Betrag von den 3,45 € für die Heidelbeeren ab, so hätte ich nur 50 Cent für die Heidelbeeren bezahlen müssen. Mit gutem Gewissen und Freude im Herzen.
Ein kleiner Seitensprung meinerseits. Ich gelobe Besserung. Seit ich hier wohne, vierzehn Jahre sinds schon, ist mir der Grieche treu zu Diensten. Und beschenkt mich, immer wieder. Treue zahlt sich aus, auf Heller und Cent, das habe ich heuer begriffen.

