Hilft viel wirklich viel? Das ist eine weit verbreitete Lebenseinstellung, und auch ich bin so erzogen worden. Immer wieder erlebe ich Situationen, die mir helfen, solch eine Sichtweise als falsche seelische Sicht zu entlarven.
Gestern stieß ich im Wald mein Knie an einem Baumast, und es tat für einen Moment genügend weh, um darüber nachzudenken, warum mir das widerfuhr. Ich weiss aus Erfahrung, dass es einen kausalen Zusammenhang mit dem Vortag geben muss.
Wie gehe ich am besten vor? Ich stelle mir folgende Fragen:
1) Mein Knie schmerzt. Was ist das Knie für ein Symbol?
Das Knie ist das Symbol fürs Vorwärtsgehen, und somit der Gegenpol zum Stillstand. Vorwärtsgehen == Fortschritte, Knieschmerz bedeutet also, dass man zuwenig seelische Fortschritte macht.
2) Wie lautet mein heutiges seelisches Tagesthema, zu dem ich etwas hinzulernen möchte?
Mein Thema an diesem Tag war Selbstlosigkeit. Folgerung: das Missgeschick mit dem Knie hat mit genau diesem Bereich zu tun.
3) Wo habe ich mich in den letzten 24 Stunden nicht genügend selbstlos verhalten?
Ich lasse den Tag Revue passieren, schaue ihn vorbehaltslos an, und versuche, mich daran zu erinnern, wie ich mich in und bei verschiedenen Entscheidungssituationen gefühlt habe.
Resümée: Es kommt mir eine Situation ins Bewusstsein, wo ich wider mein Körpergefühl gehandelt habe - ich saß im Thermalbad im Warmbadebecken, und wurde hundemüde. Eigentlich bekam ich den Anstoß (so ungefähr nach 30 Minuten), das Wasser zu verlassen, und mich hinzulegen. Pustekuchen! Ich wollte die Badezeit unbedingt auskosten bis zur letzten Minute, ganz nach dem Motto "Viel hilft viel!".
Zuviel ist zuviel. Auch wenn's gesund ist. Als ich nach diesem Badeabend nach Hause kam (mit schweren Beinen schleppte ich mich den Berg hinauf), musste ich noch die Waschmaschine leeren, und die Wäsche aufhängen. Ich öffne die Trommel, wie gewohnt, da schwappt mir das Spülwasser über die Hose und die Schuhe. Ich hatte das falsche Waschprogramm gewählt!
Auch in meinem Körper gabs wohl eine Überschwemmung. Das war nicht die feine, sanfte Art. Das war nur mein Wille. Falsche Brille! Setz' sie ab, und fange an, zu fragen! (In diesem Fall: "wie lange sollte ich heute baden? Bitte gib mir ein Zeichen, wann ich das Becken verlassen sollte.")
Fragen und Bitten ist das Tor zur Selbstlosigkeit.
Als mir das so deutlich bewusst wurde, verschwanden die Knieschmerzen so schnell, wie sie gekommen waren.
Axel

