Mißgeschick, ein Mißgeschick!
Das lass ich mir gefallen, wenn ich es wenigstens rein rational verstehen kann. Doch so wie heute morgen? Mit Hilfe der klassischen Physik gelang es mir bislang noch nicht, des Mißgeschickes Ursache zu enträtseln.
Schon gestern abend nahm ich ein Schraubglas mit Bierhefe aus der Tiefkühltruhe, damit die Hefe heute morgen zu gebrauchen ist. Ich stelle es in den Kühlschrank, nach unten, ins EG.
Tralala, firalala, heute morgen bin ich gut gelaunt; ich bin pünktlich aufgewacht, und habe mir in meinem Morgenprogramm bereits eine Viertelstunde Zeitvorsprung herausgearbeitet; jetzt ist es Zeit für die Bierhefe. Also, Kühlschrank auf, ich schnappe mir das Bierhefeglas - - das lässt sich ungewöhnlich leicht abheben - - na, so was - - Entgeisterung.
Ich starre fassungslos in den Kühlschrank. Die hellbraun gefärbte Bierhefe hat sich in das Erdgeschoß des Kühlschranks ergossen; die angeschnittene Papaya und die Kirschen ragen wie kleine Inseln aus den Fluten hervor. Der Boden des Schraubglases ist sauber abgetrennt vom Rest des nun leeren Glases; Gott sei Dank, nirgends die geringste Spur von Scherben.*
Ich versuche zu retten, was zu retten ist. Mein Zeitvorsprung schmilzt dahin.
"Dann müssen wir ihn zwingen, wir bringen ihn zum Singen!"
Es geht weiter, Frühstück vorbereiten. Apfel schälen fürs Kompott. Ein Griff in die Schublade - wo ist der Schäler? Er ist nicht an seinem Arbeitsplatz. Unentschuldigt. Schlechtgelaunt? Herrschaftszeiten, ich finde ihn nirgends. Das kann doch nicht sein, und meine Küche, die ist klein. Grummelnd schäle ich den Apfel mit dem Messer, in der vierfachen Zeit wie sonst. Als ich fertig bin, kehrt mir die Situation ins Bewußtsein, als ich den Schäler das letzte Mal in der Hand hielt: beim Schwarzwurzeln schälen, gestern abend! Und da das eine klebrige Angelegenheit ist, liess ich ihn erst einmal im Biomüllbehältnis stecken - und dachte nicht mehr daran, als ich den Abfall außer Haus trug.
Positiv-Negativ-Prüfung, die Zweite! Heute ist Biomüllabfuhr. Was sagt die Uhr? Die sind immer zeitig unterwegs. Ob der Müll schon weg ist?
Geh zur Tonne,
welche Wonne,
alles da,
ich wühl mich durch,
da lacht die Sonne -
hei, da ist der Schäler mein,
"ein bißchen Spaß muss sein..."
So sang schon Roberto Blanco vor Jahrzehnten, und trällernd kehr ich in meine Wohnung zurück.
Der Tag wird gut, er bringt mir Glück!
*Warum das Glas gesprungen ist, muss mir ein Physiker erklären. In metaphysischer Hinsicht wurde mir die Ursache des Mißgeschicks dann doch noch bewusst: Das überflutete Kühlschrank-EG mit den aufragenden Fruchtinseln hatte eine frappierende Ähnlichkeit mit meiner Nachspeise am gestrigen Abend; überflutet vom eingerührten braunen Kakaopulver versanken in ihm die Früchte. Eigentlich sollte es gerade umgekehrt sein, denn zuviel Kakao säuert.
Capito, Kapitän, ich' hab die Botschaft angenommen:
weniger hilft mehr.
Gruß von Axel

Jeder neue Tag steckt voller Überraschungen, und manchmal beißen wir regelrecht in einen „sauren Apfel”. Häufig sind dies störende oder unangenehme Situationen, die uns in den frühen Morgenstunden begegnen. Doch wie begegnen wir ihnen? Und wie gehen wir in solchen Situationen mit uns selbst um? Bei Mißgeschicken heiter und gelassen zu bleiben, fällt uns oft nicht leicht, besonders, wenn sie uns selbst betreffen.