"Also, heute muss ich Sie ja wirklich einmal loben!"
So? Denke ich, und eine alte Erinnerung steigt in mir hoch - Kritik aus den Reihen der Gemeinde, weil ihnen das Liedertempo nicht flott genug war - und ich frage zurück:
"War's heute nicht zu langsam?"
"Nein, wirklich nicht..." - und so geht es belanglos noch einige Sätze hin und her...
Das Gespräch hat mich im Nachhinein noch einige Zeit bewegt.
Fragen, die man sich anhand solch einer (zugegebenermaßen kleinen) Sache stellen sollte:
- Wie gut kann ich mir und anderen vergeben? (Die alte Kritik belastet mich noch immer ein klein wenig)
- Wieso nehme ich das Lob nicht einfach und aufrichtig an - was ist der tiefere Grund meiner Erwiderung ("War's heute nicht zu langsam?"), mit der ich mich für mein Gegenüber ein wenig "schwierig" gebe?
Es ist letztlich das Bedürfnis, im Mittelpunkt zu stehen, geschätzt und gelobt zu werden, sprich: noch ein bisschen mehr und ein bisschen besser zur Geltung zu kommen. Deshalb spricht man auch von Geltungssucht - ein weitverbreitetes Verhalten in unserer Gesellschaft ( Bsp.: die typische, unnatürliche und überflüssige Frage in der Gastronomie "Hat's geschmeckt?" - mit der man dem Gast ein Lob abzwingt - wenn ein Gast das Herzensbedürfnis zum Loben hat, dann wird er es schon tun, und auch nur dann ist es aufrichtig und ehrlich). Ich empfinde das im Grund als ein ungestilltes Bedürfnis nach Liebe und Zuwendung, das nur durch wachsende Liebe zu sich selbst (die wahre Christusliebe) ersetzt werden kann.
Wichtigste Hilfe: "Ich möchte meine gravierendsten Schwächen erkennen und überwinden! Ich möchte mir mehr und mehr ein gesundes, natürliches Selbstbewusstsein verdienen!"

