Ich stehe nachdenklich vor einem Bild. Eine Ausstellung, die ein breites Spektrum der Malerin zeigt. Leuchtende Farben, interessante Motive. Unvermittelt spricht mich eine Frauenstimme von hinten an: "Sie studieren die Bilder sehr genau, gefallen Sie Ihnen?" Ich drehe mich herum, und frage zurück: "Sie sind die Künstlerin?" Sie nickt. "Und jetzt möchten Sie ein Lob von mir hören?" Sie errötet, und blickt ein wenig verlegen zur Seite. Dann meint Sie: "Na ja, wenn's denn unbedingt sein muss. Lob ist doch das Brot des Künstlers." - "Das empfinde ich ganz anders" entgegene ich, und verlasse den Raum. An der Tür drehe ich mich noch einmal der Künstlerin zu, und sage: "Ich freue mich, wenn Sie weitermalen. Es lohnt sich."
Ich lobe gerne, wenn es befreit und ungezwungen aus der Seele strömen darf - und wenn mir meine Intuition dazu rät, es zu tun. In dieser Situation hatte ich den Eindruck, dass diese Malerin aus dem Gefühl der Minderwertigkeit heraus nach Lob und Anerkennung durch andere sucht.
Ich kenne dieses Verhalten sehr gut von mir selbst, und insofern durfte ich dankbar für diese Spiegelung sein.
Gruß Axel

