Wie herrlich bequem und angenehm zu tragen meine Allwetterschuhe sind, das wird mir momentan sehr deutlich bewusst: weil sie mir nicht zur Verfügung stehen.
Die Sohlen waren abgelaufen, die Schuhe sind beim Schuhmacher. Es sind die einzigen, in denen sich meine Füße wirklich zu Hause fühlen. Sie haben mich überall hingetragen, hunderte von Kilometern, die ich in meiner kleinen Welt gegangen bin. Sie haben alle Lasten mitgetragen, Rucksäcke und Einkaufstaschen, und sie haben nie geklagt. Sie sind vollkommen bescheiden, und begnügen sich mit wenigen Tropfen Olivenöl, das ich mit einem Stofflumpen ab und zu auf das Leder auftrage.
Jetzt, da ich diese Schuhe vermisse, und mir die anderen Blasen bescheren, so dass jeder Tritt in ihnen schmerzt, entwickelt sich so etwas wie Dankbarkeit in mir. Die Vorfreude auf die bald renovierten Schuhe steigt mit jedem Tag, auch wenn ich mich doppelt so lang gedulden muss, wie mir die Dame vom Schuhdienst ursprünglich avisiert hatte: der Schuhmacher hatte ihr vergessen mitzuteilen, dass er in Urlaub geht.
Intelligente Planung von "oben", oder? Das ist Tagesschule!
(Um meine Dankbarkeit zu fördern, bedarf es der Hilfe von "oben". Die Intuition, die Schuhe fortzubringen, kommt genau zu dem Zeitpunkt, wo es doppelt so lange dauern würde, bis sie fertig sind. Ich konnte das nicht wissen; ich habe lediglich auf meine Intuition geachtet. Wenn ich es geahnt hätte, hätte ich die Schuhe zu einem anderen Zeitpunkt fortgebracht; verständlicherweise - denn so handelt der Verstand. Man kann daran erkennen, wie sehr der innere Herzenswunsch [z.B. "Ich möchte dankbarer werden"] die äußere Tagesschule mitgestaltet - sie ist nicht dazu da, um uns zu traktieren und zu quälen, sondern um der Seele effektiv zu helfen, ihre inneren Werte weiterzuentwickeln)

